Bildungs-Standpunkte zur BTW 2002 (31. JuliA-Landeskongress)

Aus Beschlusssammlung der JuliA Sachsen
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Der wichtigste Rohstoff Deutschlands ist das Wissen der Bürger. Ungeachtet der Bildungshoheit der Länder setzen wir uns für deutschlandweit geltende Veränderungen ein.

Chancengleichheit am Start, unabhängig von Einkommen und sozialer Schicht, ist die Grundvoraussetzung für ein leistungsfähiges und soziales Bildungssystem. Ergebnisgleichheit steht hierzu im Widerspruch. Es ist Aufgabe der Bildung Leistungen individuell nach der Leistungsfähigkeit der Lernenden zu fördern und zu fordern.

Im Wissen um den Bildungsföderalismus bekennen wir uns zu ihm und stehen voll und ganz hinter ihm. Allerdings sprechen wir uns für Standards aus, die Schulabgänger in ganz Deutschland erfüllen müssen. Rahmenlehrpläne, die Grundinhalte von Fächern bundesweit regeln, sollen es ermöglichen, dass Leistungstests zwischen den Ländern sinnvoll durchgeführt werden können, Zensuren annähernd vergleichbar sind und ein Schulwechsel zwischen Ländern ohne Zurückstufung bei der Klassenstufe möglich ist. Um die Leistungen der Länder vergleichbar zu machen, muss man zunächst definieren was zu leisten ist. Der Weg dorthin wird von den Ländern selbständig festgelegt. Als Instrument der Verhinderung des Wettbewerbs der Systeme und der dadurch bedingten Orientierung an den Schlechtesten ist die Kultusministerkonferenz (KMK) abzuschaffen.

Bildung beginnt nicht erst mit der Schule und hört nicht nach der Berufsausbildung auf, sondern sie ist lebenslang.


Vorschulalter

Kindergärten müssen von einem bloßen Aufbewahrungsort zu einem Ort der Vorbereitung auf ein lebenslanges Lernen werden, Bildungshunger muss spätestens hier geweckt werden. Um Chancengerechtigkeit zu ermöglichen, müssen mehr Kinderbetreuungsplätze, insbesondere auch für Kleinkinder eingerichtet werden. Der Anspruch auf einen ganztägigen, bezahlbaren Kindergartenplatz ist endlich durchzusetzen. Ein ausgewogener Kanon von Spielen, Bewegen und Lernen muss Grundsatz eines jeden Kindergartens werden. Die Betreuer in den Kindergärten müssen pädagogische Fachkräfte sein.


Schule

Unsere Schulbildung leistet nicht mehr das, was von ihr erwartet wird. Zu lange, zu unflexibel und zu wenig leistungsfördernd sind die Hauptmerkmale unserer Schulbildung.


Früher ist Besser

Es hat sich gezeigt, dass Kinder viel eher lernen können und lernen wollen als es ihnen bisher unser Bildungssystem ermöglicht. Die Fähigkeit zur Aufnahme von Wissen ist in jungen Jahren am besten ausgebildet. Deshalb fordern wir die Möglichkeit, Kinder mit 5 Jahren einzuschulen. Bei der Einschulungsuntersuchung sollen insbesondere die Sprachkenntnisse geprüft und bei Nichteignung ein Sprachlehrgang als Bedingung für die Einschulung angeordnet werden.

Neben dem pädagogischen Aspekt wird auch das Alter der Absolventen reduziert, denn deutsche Schulabgänger sind im Vergleich zu anderen europäischen Absolventen zu alt.

12 Jahre sind genug! Es kommt nicht auf die Anzahl der Jahre, sondern auf die Zahl der tatsächlich erteilten Unterrichtsstunden und auf die Qualität des Unterrichts an. Mit kleineren Klassen, modernen Unterrichtsmaterialien und Unterrichtsmethoden und gut ausgebildeten Lehrkräften ist das Abitur nach 12 Jahren bundesweit zu schaffen und daher bundesweit einzuführen.

In Zeiten der Globalisierung sind Fremdsprachenkenntnisse von großer Bedeutung. Gerade hier hat sich gezeigt, dass mit zunehmendem Alter die Fähigkeit zur Erlernung von Fremdsprachen abnimmt! Deshalb fordern wir das Erlernen der ersten Fremdsprache ab Klasse 1 und der zweiten Fremdsprache ab Klasse 5.

Leistung fördern und fordern Um Schüler frühzeitig und spielerisch an die Leistungen des Schulalltags zu gewöhnen, um die Leistungen der Schüler für sie selbst und ihre Eltern darstellen zu können und um den Schülern die Möglichkeit des Vergleiches zu geben sollen Zensuren bereits ab Klasse 1 vergeben werden. Durch Wettbewerb unter den Schülern muss die Schule soziale Kompetenz und Fairness fördern. In den Schulen wird jedoch noch zuwenig Bescheidenheit verbunden mit Selbstvertrauen vermittelt.

Die Chancengleichheit am Start wird durch die jeweils individuellen Fähigkeiten der Schüler zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Durch eine individuelle Förderung von besonders leistungsschwachen und leistungsstarken Schülern erreicht man das individuell beste Ergebnis.

Für eine möglichst individuelle Förderung der Schüler ist die maximale Klassengröße auf 25 zu begrenzen. Der Einsatz von 2 Lehrkräften in einer Stunde ist in bestimmten Bereichen zu erproben.


Lehrer statt Pauker

Um das Lehrerkonzept vom schlichten Pauker zum professionellen Lehr-Lern-Arrangeur zu reformieren, muss eine berufsorientierte Lehreraus- und –weiterbildung in Deutschland etabliert werden. Für die Ausbildung aller Lehramtsstudiengänge bedeutet das eine Aufwertung der pädagogischen, psychologischen, didaktischen und methodischen Anteile der Lehramtsausbildung, frühzeitige praxisnahe Ausbildung durch Verzahnung von Theorie und Praxis und verpflichtende kontinuierliche Weiterbildung für Lehrer, sowohl in den fachwissenschaftlichen als auch in den pädagogisch-methodischen Bereichen. Das Referendariat soll auf 12 Monate gekürzt werden, da die praktischen Fähigkeiten bereits in der ersten Ausbildungsphase erworben werden.

Motivierte Lehrer sind bessere Lehrer. Wir wollen, dass Lehrer sich auf ihre Kernaufgaben (lehren, erziehen, beraten, innovieren) beschränken können und lehnen es ab, dass Lehrer durch Verwaltungsaufgaben demotiviert und in ihrer pädagogischen Aufgabe blockiert werden.

Wir fordern eine leistungsorientierte Bezahlung aller Lehrkräfte. Die Verbeamtung von Lehrern macht für uns keinen Sinn, daher lehnen wir sie ab. Um Schule und Unterricht für neue Erkenntnisse aus Wirtschaft und Forschung zu öffnen und um Bildung und Praxis zu verzahnen, fordern wir die Möglichkeit, dass Experten aus Wirtschaft und Forschung an Schulen unterrichten.

Voraussetzung hierfür ist eine entsprechende Lehrbefähigung. Sie kann an den pädagogischen Fakultäten der Universitäten erworben werden. Die externen Lehrkräfte sollen neben regulären Lehrkräften an den allgemeinbildenden Schulen unterrichten. Sie sind nicht primär für die Erfüllung des Lehrplanes einzusetzen, sondern sollen Impulse bei Schülern wecken, auf das Leben nach dem Schulabschluss vorbereiten und neueste Erkenntnisse aus Forschung und Wirtschaft an die Schulen bringen.


Vergleichsuntersuchungen

Wir fordern den Ausbau des Systems von Ländervergleichsuntersuchungen (Vgl. PISA intern). Die transparente Darstellung der Ergebnisse ermöglicht es, Stärken und Schwächen unterschiedlicher Bildungsansätze offen zu legen. Für die länderinterne und stetige Kontrolle der Leistungen des Bildungssystems fordern wie die Ersetzung der Schulaufsichtsbehörde durch ein unabhängiges Output-Controlling, welches die Unterrichts- und Erziehungsresultate der Schulen bewertet. Somit wird es auch künftigen Schülern, deren Eltern und potentiellen Arbeitgebern der Absolventen möglich, die Leistung der einzelnen Schulen zu vergleichen.

Autonomie der Schulen Durch Individualität der Schulen fördern wir kreative Konzepte, nachfrageorientierte Bildungskonzepte und eine effektive Ausstattung mit Sachmitteln. Dies ist durch Zielvereinbarungen mit dem jeweiligen Schulträger zu vereinbaren. Die Schule erhält die Autonomie über Personal, Finanzen, Organisation und die eigenverantwortliche Durchführung von fakultativen Kursen sowie alternativen Bildungsangeboten. Dies beinhaltet insbesondere die eigenverantwortliche Einstellung der Lehrkräfte und die Möglichkeit des Erwerbes von Drittmitteln durch Sponsoring und Werbung.


Schulen öffnen

Für eine Verankerung der Schule in der Gesellschaft ist die Zusammenarbeit mit Universitäten, Bibliotheken und vor allem der Wirtschaft zu stärken. Gleichzeitig sprechen wir uns für eine Öffnung gegenüber politischen Jugendverbänden aus. Wo, wenn nicht in der Schule soll die Jugend durch Jugend für die Demokratie und Politik gewonnen werden. Über die Zulassung entscheidet der Schulleiter in Abstimmung mit der Schulkonferenz im Rahmen des Gleichbehandlungsgrundsatzes von politischen Gruppierungen. Die Jungliberale Aktion Sachsen spricht sich für ein leistungsorientiertes, auf die Individualität der Schüler ausgerichtetes Bildungssystem aus, welches durch die Pluralität von Bildungsträgern und den Wettbewerb von Schulen und Schulsystemen geprägt ist.


Hochschule


ZVS abschaffen

Die Zentrale Vergabestelle für Studienplätze ist ein Hindernis im Wettbewerb um die besten Hochschulen und um die besten Studierenden. Im Zuge der Hochschulautonomie werden Hochschulen ihr Profil verstärkt heraus bilden. Studenten sollen die Möglichkeit haben, sich ihrem Berufswunsch entsprechend die Hochschule heraus zu suchen, die am besten in ihr Konzept passt. Hochschulen werden sich auf dem Markt der Studierenden die am besten zu ihrem Profil passenden Studenten suchen. Auf welche Art die Hochschulen ihre Studierenden auswählen, bleibt allein der jeweiligen Hochschule überlassen. Juniorprofessur ausbauen Die Jungliberale Aktion Sachsen begrüßt die Einführung der Juniorprofessur. Die Professur wird damit international vergleichbar, auf dem Weg zum ordentlichen Professor wird auch die Lehre beurteilt, die Professorenschaft wird deutlich verjüngt.

Wir befürworten, dass auf dem Wege zur ordentlichen Professur an die Stelle einer formalen Prüfung (Habilitation) eine Tätigkeit mit Evaluation (JP) tritt. Die wissenschaftliche Qualifikation der künftigen Professoren wird bereits durch deren erfolgreiche Promotion nachgewiesen und als Berufungsvoraussetzung im Rahmen des Berufungsverfahrens der Professoren weiterhin überprüft.

Allerdings fordern wir die Bundesgesetzgebung auf, das entsprechende Hochschulrahmengesetz (HRG) zu überarbeiten. Wir fordern die Reduktion des Lehrdeputates auf die Hälfte der von einem ordentlichen Professor zu leistenden Semesterwochenstunden (SWS), sodass neben Lehre, Mitarbeit in der Selbstverwaltung und Drittmittelakquisition Freiraum für die selbständige Forschung bleibt und Juniorprofessoren nicht nur als billige Lehrkräfte eingesetzt werden. Die Stellen für Juniorprofessoren sollen bundesweit öffentlich ausgeschrieben und durch Berufung besetzt werden. BAföG statt Krümel Das System der Studienförderung ist überholt und ungerecht. Deshalb fordern wir die längst überfällige Reform des BAföG. Dabei fordern wir die Bündelung aller direkten und indirekten Leistungen für Studierende und deren Eltern nach dem 3-Körbe- Modell.

Der 1. Korb beinhaltet einen Sockelbetrag in Höhe von 200 € der eltern- und einkommensunabhängig jedem Studenten zur Verfügung steht. Der 2. Korb ist ein individueller Zuschuss bis zu 175 €, der eltern- und einkommensabhängig gewährt wird. Der 3. Korb besteht aus einem unverzinslichen Darlehen bis zu 200 € unabhängig von der finanziellen Leistungsfähigkeit der Eltern. Autonomie Wir fordern eine umfassende Autonomie der Hochschulen. Um Wettbewerb zu ermöglichen, müssen aktuelle Regulierungen überprüft werden. Die Hochschulen selbst sollen die Auswahl des Personals treffen und auch die Vergütung soll zwischen dem Personal und der Hochschule frei verhandelt werden. So werden Möglichkeiten geschaffen, Evaluationen in die Anstellung und die Bezahlung einfließen zu lassen sowie Forschungslinien konsequent weiterzuverfolgen. Die Hochschulen, die durch die Umstellung der Finanzierung in der Lehre den Studenten gegenüber verantwortlich sind, werden den didaktischen Fähigkeiten mehr Gewicht geben müssen.

Nur so können Hochschulen durch eine eigene Schwerpunktsetzung und Profile in der Konkurrenz der Hochschulen bestehen und nachfrageorientiert auf den Bildungsmarkt auftreten. Hochschulfinanzierung Die Finanzierung der Hochschulen soll zukünftig auf drei Säulen basieren. Die 1. Säule bildet ein finanzieller Festbetrag des Bundeslandes, welcher sich an den bisherigen Kosten orientiert und auf mehrere Jahre festgeschrieben und von der Hochschule autonom verwaltet wird. Als 2. Säule besteht die Möglichkeit für die Hochschulen sich unbeschränkt Drittmittel anzuwerben. Dies kann beispielsweise durch die Nutzung der Ressourcen im Wissenschaftsbereich erfolgen. Die 3. Säule besteht aus von der Uni selbst festzulegenden Studiengebühren, die aber in Höhe eines bestimmten Betrages durch Bildungsgutscheine vom Staat finanziert werden.

Bildungsgutscheine

Wir fordern die Einführung von Bildungsgutscheinen. Studienanfänger bekommen vom Staat Gutscheine, die den Studierenden ermöglichen, die für einen ersten Studienabschluss nötigen Lehrveranstaltungen zu besuchen. Die Gutscheine können von den Studierenden entsprechend ihrer Lebenssituation eingesetzt werden. Sie sind in ihrer Anzahl, jedoch nicht in ihrer Gültigkeitsdauer beschränkt, dadurch erhält der Einzelne endlich Gestaltungsspielraum in Bezug auf Planung und Ablauf des Studiums (Teilzeitstudium).

Die Hochschule bekommt im Austausch gegen die Gutscheine Fördermittel vom Staat. Die Anzahl der Gutscheine entscheidet über die Höhe der Fördersumme. Dadurch treten die Hochschulen in den Wettbewerb um die Studenten ein und die Studenten werden endlich zum Nachfrager am (Bildungs-)Markt. Wir versprechen uns vom Gutscheinmodell eine nachhaltige und langfristige Verbesserung der Studienbedingungen. Das Gutscheinmodell ist der bessere Weg der Hochschulfinanzierung. Allgemeine Studiengebühren lehnen wir ab.