Für die Wirtschaftsmacht von nebenan – Ausbildungspolitik reformieren (65. JuliA-Landeskongress)

Aus Beschlusssammlung der JuliA Sachsen
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Die Jungliberale Aktion Sachsen fordert eine Reform der Ausbildungspolitik. In Zeiten des immer wieder beschworenen Fachkräfte- und Nachwuchsmangels von Seiten der Wirtschaft, ist es notwendig auch von politischer Seite, der Ausbildung wieder mehr Beachtung zu schenken. Hierbei muss grundlegend darüber nachgedacht werden, wie junge Menschen für die Ausbildungsberufe wieder begeistert werden können. Denn eine Ausbildung hat keinen geringeren Stellenwert als ein Studium und hat dementsprechend dieselbe politische und gesellschaftliche Beachtung verdient. Für uns Jungliberale ergeben sich hierbei folgende Forderungen um dieses Ziel zu erreichen:

1. Freiwilliges berufliches Jahr

Ähnlich wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) soll ein Freiwilliges Berufliches Jahr etabliert werden. In diesem sollen Teilnehmer ein Jahr lang in verschiedensten Betrieben Praktika absolvieren, um in so viele Berufe wie möglich einen Einblick zu erhalten. Dadurch ergibt sich für die Freiwilligen ein weiteres Jahr zu Orientierung und für die teilnehmenden Betriebe eine Möglichkeit die Attraktivität einer Ausbildung hervorzuheben.

2. Erasmus Plus und Tippelei

Im Studium ist die Idee von Erasmus und einem Auslandssemester bereits bestens bekannt. In der Ausbildung besteht sie mit Erasmus Plus bereits auch schon, ist aber verhältnismäßig unbekannt. Es muss gezielt schon während der Ausbildung, beispielsweise in der Berufsschule, auf die Maßnahme eines Auslandsaufenthaltes hingewiesen werden und diese gezielter beworben werden. Bezugnehmend auf den bedeutenden Wert der Tippelei (Wanderschaft) nach der Lehrzeit in der europäischen Kulturgeschichte möchten wir diese Tradition erhalten und wieder ausbauen. Auf diese soll bereits während der Ausbildung gezielt vonseiten der Berufsschulen verwiesen werden.

3. Berufsschulen

Um die Ausbildung für die Zukunft fit zu machen, sind auch Berufsschulen wichtig, die umfassend modernisiert sind. Es ist daher notwendig die Digitalisierung auch dort umzusetzen. Ausreichend technische Mittel müssen gestellt werden um die Azubis auf die moderne Arbeitswelt vorzubereiten. Ebenso bedarf es für die Vorbereitung auf eine moderne Arbeitswelt auch Lehrpläne, die diese Aktualität besitzen. Dementsprechend müssen die Rahmenlehrpläne des Bundes häufiger erneuert werden. Wir lehnen die generalistische Ausbildung nicht prinzipiell ab, es muss aber geprüft werden, inwieweit die Verallgemeinerung verschiedener Berufsfelder sinnvoll ist. Dabei sollte prinzipiell gefragt werden inwieweit die unterrichteten Inhalte für den späteren praktischen Berufsalltag von Relevanz sind. Insbesondere müssen diese auf eine mögliche zukünftige Selbständigkeit durch das Vermitteln betriebswirtschaftlicher Fähigkeiten vorbereiten. Der Unterricht selber muss möglichst im Blockunterricht umgesetzt werden, um eine bessere Urlaubs- und Einsatzplanung für die Betriebe zu ermöglichen. Prinzipiell soll für den Besuch einer Berufsschule eine Bildungspflicht gelten, bei Nichterreichen grundsätzlicher Lernziele soll aber die Schulpflicht greifen. Auch nach dem Ende der Ausbildung hört das Lernen nicht auf, weshalb Weiterbildungskurse ausgebaut werden müssen. So kann in einer sich schnell verändernden Arbeitswelt auch für die jeweiligen Berufstätigen ein lebenslanges Lernen garantiert werden.

4. Weiterentwicklung der Meisterausbildung

Wir wollen die historisch gewachsene Bedeutung des Meistertitels wahren. Für die Kompetenz, Azubis auszubilden soll der Meistertitel nicht unbedingt eine Voraussetzung sein, jedoch mindestens der Ausbilderschein. Wir sprechen uns für eine finanzielle Förderung der Meisterausbildung nach Vorbild des Bafögs für Studenten aus. Ebenso sollte es für die Gründung von Betrieben keine Pflicht mehr sein einen Meisterbrief zu besitzen.

5. Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)

Um auch zukünftig für die Themen von Auszubildenden zu sensibilisieren muss der rechtliche Rahmen für die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) gestärkt werden. Beispielsweise muss es der JAV auch ermöglicht werden gezielt ihre Arbeit an Berufsschulen zu bewerben. Außerdem streben wir ein vollständiges Stimmrecht in allen Angelegenheiten für alle Vertreter der JAV in den Betriebsräten an, z.B. durch einen Sitz im Betriebsrat, für welchen die betriebseigenen Azubis ein exklusives Vorschlagsrecht haben.

6. Fördermittel

Um die Ausbildung wieder attraktiv zu machen, muss für diese eine bessere Förderung etabliert werden. Daher müssen für Auszubildende und Studenten ein weniger bürokratisches, elternunabhängiges Bafög mit gemeinsamen Sätzen geschaffen werden. Somit kann Auszubildenden eine gleichwertige finanzielle Unterstützung geliefert werden, auf welche sie, sofern es je nach Auszubildendengehalt nötig ist, zurückgreifen können. Im selben Zug gehört die Berufsausbildungsbeihilfe abgeschafft. Außerdem sollten weitere Kosten, welche sich durch die Ausbildungsauswahl ergeben, beispielsweise der Kauf von speziellen Fachwerkzeug oder Schulgeld, zunächst von staatlicher Seite übernommen werden. Mit dem Beenden der Ausbildung sollen die dabei entstandenen Kosten, nachgelagert zurückgezahlt werden.

7. Schulen

Für die Vorbereitung auf das Berufsleben, soll das Bewerbungstraining einen höheren Stellenwert einnehmen. Dies sollte für alle Schulformen gelten.

8. Ermäßigungen

Die für Studenten geltenden Ermäßigungen in öffentlichen Einrichtungen und im ÖPNV sollen, wo noch nicht vorhanden, auch für Azubis Anwendung finden.

9. Schulische Ausbildungen in duales System integrieren

In Bereichen der bisherigen schulischen Ausbildung sollen alternativ staatliche Berufsschulangebote geschaffen werden. Auch diese Gruppe der Auszubildenden sollen zukünftig eine Ausbildungsvergütung erhalten. Dafür muss die Struktur dahingehend verändert werden, dass jeder Azubi bei einem Ausbildungsträger angestellt ist.