Gleichstellungspolitische Grundsätze: Individualismus und Emanzipation (55. JuliA-Landeskongress)

Aus Beschlusssammlung der JuliA Sachsen
Wechseln zu: Navigation, Suche

Allgemeines

Die Jungliberale Aktion Sachsen sieht die nach wie vor Defizite bei der faktischen Gleichstellung bestimmter Personen. Diskriminierung und Ungleichbehandlung richten sich aus unserer Sicht immer gegen ein Individuum richten und können nicht kollektivistisch begriffen werden. Insbesondere in der Diskussion um eine geschlechtsorientierte Gleichstellung wird oft die Differenz zwischen Mann und Frau zum Ausgangspunkt gemacht. Wenn das Ziel aber die Gleichberechtigung beider Geschlechter ist, muss dieser Geschlechtsunterschied in gesellschaftlichen Beziehungen alle sachferne Relevanz verlieren. Eine Theorie, die unterschiedliche Behandlungsweisen fordert, um Unterschiede zu überwinden, kann dies nicht erreichen, ohne sich selbst aufzugeben. Die Jungliberale Aktion Sachsen respektiert gleichzeitig die persönlichen Entscheidungen, Werte und Einstellungen auch jener, deren Sozialisation jedweder Art bereits zu einer gefestigten Persönlichkeit und Lebensentwürfen geführt hat, solange die Freiheit anderer dadurch nicht eingeschränkt wird, beispielsweise durch weitere Diskriminierung. Dabei ist darauf hinzuwirken, dass künftige Generationen freiheitlich sozialisiert werden. Für uns liegt der Weg zu einer umfassenden Gleichstellung in der Behebung der Ursachen von Ungleichbehandlung und Diskriminierung, nicht der Symptome. Die Jungliberale Aktion Sachsen misst Gleichstellung nicht in Prozentzahlen, sondern in der faktischen, durch rechtliche und soziale Rahmenbedingungen gewährten Möglichkeit zur Wahl vielfältiger Lebensentwürfe.

Besonders betroffene Gruppen

Zu den in diesem Sinne besonders betroffenen Gruppen von Diskriminierung und Ungleichbehandlung sollen hier einige beispielhaft erörtert werden:

  • Eltern, vor allem alleinerziehende. Dies geschieht durch strukturelle und rechtliche Bedingungen, wie etwa die 12-Jahres-Klausel im Hochschulrahmengesetz und vergleichbare Regelungen, starre Arbeitszeitmodelle und unflexible Tarifverträge, sowie nicht zuletzt die großzügigen Privilegien für Eltern und werdende Mütter, die auf Grund reell höherer Ausfallwahrscheinlichkeit der Arbeitskraft zu einer pauschalen Schlechterstellung von Frauen führen. Dem kann durch eine maximale Flexibilisierung des Arbeitsmarktes begegnet werden. Beispielsweise führen die Sonderregelungen zu Nachtarbeit dazu, dass eine zeitliche Aufteilung der Kinderbetreuung durch berufstätige Eltern zu Mehrkosten beim Arbeitgeber führt und daher von diesem nicht getragen wird.
  • Personen mit bestimmten Kommunikationsmustern. Dies ist vor allem eine als typisch weiblich aufgefasste, aber auch von vielen männlichen Diskutanten geübte Art der Kommunikation, die sich durch Zurückhaltung und Harmoniebedürfnis auszeichnet. Dem kann durch eine Sensibilisierung Verantwortlicher für die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Kommunikationsstile begegnet werden. Integration ist von verantwortlichen Personen als aktiver Prozess zu begreifen, dem sie verpflichtet sind.
  • Personen, die in starren Rollenbildern sozialisiert werden. Dies sind beispielsweise archaische Familienstrukturen oder geschlechtsspezifische Rollenmuster. Spiegelbildlich entwickeln sich hier auch Personen, die selbst zur Diskriminierung neigen. Dem muss insbesondere auf gesellschaftlicher Ebene entgegengewirkt werden. Eine emanzipierte Erziehung, in der frei nach Dahrendorf alle ungefragten Bindungen zerbrochen werden, stellt einzig die Freiheit sicher, individuelle Entscheidungen zu treffen und Lebensentwürfe zu verfolgen. Hier muss auch ein klarer Erziehungsauftrag für Kindergärten und Schulen formuliert werden.

Konkrete Maßnahmen

Die Jungliberale Aktion Sachsen setzt sich gegen jegliche Form sachfremder Segregation ein, beispielsweise lehnen wir den Einsatz von Frauen-, Homosexuellen- oder Ausländerbeauftragte u.Ä. ab. Stattdessen setzen wir uns für Institutionen, die für Gleichstellung bzw. Diversity Management verantwortlich sind und Gleichstellungsmaßnahmen auf Ebene des Individuums betreiben, ein. In Bezug auf geschlechtergerechte Sprache lehnen wir einen Zwang zur Verwendung von sprachlichen Konstrukten wie z.B. dem Binnen-I, dem Gender Gap oder substantivierten Partizipien („Studierende“) ab. Beispiele für liberale Gleichstellungsmaßnahmen sind z.B.:

  • Erkennen und Verfolgen expliziter oder impliziter Diskriminierung
  • Schulungen zu integrativem Kommunikationsverhalten
  • Kampagnen für emanzipative Erziehung
  • individuelle Beratung für Mitglieder, die sich diskriminiert fühlen

Die Jungliberale Aktion Sachsen verpflichtet sich den Möglichkeiten aktiver Gleichstellung. Der Landesvorstand wird dazu aufgefordert:

  • diese und weitere Maßnahmen, die sich nach denselben Prinzipien richten, durchzuführen selbst auf integrative Kommunikationspraktiken zu achten
  • selbst nicht zu diskriminieren, wie etwa durch die auch implizite Darstellung von Frauen als hilfsbedürftige oder inkompetente soziale Gruppe
  • sich gegen das kollektivistische Mantra zu wenden, dass mehr Zugehörige sozial konstruierter Kollektive stärker vertreten sein müssen
  • sich gegen den Alleinvertretungsanspruch bestimmter Gruppen durch einzelne Verbände zu wehren
  • inoffizielle Proporzregelungen (insb. Regionalproporz) anzuprangern und zu verhindern
  • sich gegen jegliche Form sachfremder Quotierung auszusprechen