Zukunft für die sächsische Schule (49. JuliA-Landeskongress)

Aus Beschlusssammlung der JuliA Sachsen
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1. Präambel

Die sächsischen Schulen leisten in Sachen Bildung gute Arbeit und sind daher zu Recht in einer der bundesweit führenden Positionen. Trotz weiteren Potenzials zur Verbesserung befürworten wir, die weiterführenden Schulen wie bisher in Gymnasium und Oberschule zu gliedern. Um die Bildung aller Schüler zu verbessern, befürworten wir den Wettbewerb zwischen den unterschiedlichen Schulkonzepten der Bundesländer. Wir bekennen uns klar zum Bildungsföderalismus und somit auch zum Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern.


2. Gliederung des Schulsystems

Die der Grundschule nachfolgende schulische Bildung soll weiterhin in ein zweigliedriges Bildungssystem unterteilt bleiben, bestehend aus Gymnasium und Oberschule. Letztere bietet 2 verschiedene Bildungsabschlüsse an. Allerdings sollen alle Oberschüler den Hauptschulbildungsabschluss ablegen können. Danach entscheiden die erreichten Leistungen oder die Empfehlung der Lehrerkonferenz, ob die Schüler den Weg zum Realschulabschluss weiter beschreiben dürfen. Besonderen Wert legen wir auf eine noch bessere Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schulformen. Im angestrebten Modell werden sachsenweit Vergleichsarbeiten in jeder geraden Klassenstufe absolviert. Dieser Vergleich alle zwei Jahre soll als eine Bildungsempfehlung den weiteren Bildungsweg der Schüler vorgeben. Die Vergleichsarbeiten sind in einen schulartübergreifenden Teil und einen schulzweigabhängigen Teil untergliedert. Die Ergebnisse sollen es Schülern fairer ermöglichen, ihren Bildungsweg auf der jeweils höheren Schulart fortzusetzen –neben der Möglichkeit des Wechsels durch eine Zustimmung der Klassenkonferenz (SOMIAP §4). Die Mittelschulprüfung in Klasse 10 soll in gleicher Form in den Hauptfächern am Gymnasium durchgeführt werden. Alle Vergleichsarbeiten sind dementsprechend schulartübergreifend als gleich wichtig anzusehen, wie auch gleich zu bewerten. Die Ergebnisse werden anonymisiert veröffentlicht, um den Wettbewerb zwischen den einzelnen Schulen zu fördern. Ein weiterer wichtiger Baustein für eine hohe Bildungsqualität ist immer die individuelle Förderung der Schüler. Wir werben daher für ein Angebot von Lerngruppen, welche ressourcenschonend auch von Lehramtsstudenten (im Praktikum), Honorarkräften oder ausgeschiedenen Lehrern geführt werden können.


3. Nicht-staatliche Bildungsangebote

Wir sehen Freie Schulen als Chance, den Wettbewerb im Bildungsbereich zu fördern. Dazu benötigen sie aber mehr Freiräume bei Entscheidungen über ihr Konzept und Personal. Die Fähigkeiten des konkreten Schulkonzepts wird über die einheitlichen Vergleichsarbeiten überprüft. Besonders ein Modell ähnlich der „Charter Schools“ halten wir für begrüßenswert. Hierbei erhält ein Trägerverein die Schule (welche ansonsten schließen müsste), was gerade im ländlichen Raum viele Vorteile mit sich bringt.


4. Abschlussprüfungen, Vergleichsarbeiten

Wir begrüßen die Kooperation in Sachen Abiturprüfung mit anderen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt, um die Abschlüsse vergleichbarer zu machen und fordern daher alle Bundesländer auf, sich daran zu beteiligen. Ziel soll es sein, in einigen Jahren ein vergleichbares Abitur bundesweit schreiben zu können. Bei Vergleichsarbeiten zwischen sächsischen Schulen fordern wir die Einführung des in Punkt 2 genannten Modells für Vergleichsarbeiten.


5. Finanzierung und Organisation

Zudem fordern wir, dass ein verfassungsrechtlich geschützter Teil des Staatshaushalts für die Bildung ausgegeben wird. Des Weiteren fordern wir auf zu einer stärkeren Kooperation zwischen staatlichen Schulen und privaten Unternehmen, welche Schulpatenschaften übernehmen, wie dies bereits jetzt teilweise schon praktiziert wird. Die Jungliberale Aktion sieht es für notwendig an, mehr Freiräume den staatlichen Schulen in Sachen finanzielle Mittel und Personal zu übertragen, einschließlich der Kapitalisierung von freien Lehrerstellen. Um den Schülern das Gefühl zu geben, an der Schule etwas bewirken zu können, sind wir für eine direkte Wahl des Schülersprechers und seinem Stellvertreter. Die restlichen bereits vorhandenen Möglichkeiten zur Schülermitwirkungen unterstützen wir und möchten diese beibehalten. Zudem sollten den Eltern mit dem Schulstart des Kindes auf einer weiterführenden Schule schriftliche Exemplare des Schulgesetzes, der Schulordnung der jeweiligen Schulform sowie der Schülermitwirkunsgsverordnung zur Verfügung gestellt werden. Wir fordern langfristig solide kalkulierte Einstellungspläne, um die Schwankungen in Schüler- und Lehrerzahlen bestmöglich ausgleichen zu können. In Reaktion zum sich verstärkendem Lehrermangel soll der Freistaat Sachsen seine Einstellungspläne besser langfristig kalkulierbar und transparenter gestalten, um potenziellen Lehramtsanwärtern eine bessere persönliche Planung zu ermöglichen. Darüber hinaus befürworten wir eine Abschaffung von Grundschulbezirken.


6. Lehrinhalte

Allgemeinbildende Schulinhalte sollen stärker auf die wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekte der realen Gesellschaft bezogen werden. An Förderschulen ist der praktische Ansatz der Lernvermittlung besonders wichtig und förderungswürdig, um Schülern mit (Lern)Behinderungen eine gute Möglichkeit für den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Die Lehrinhalte und die Inhaltsvermittlung des Hauptschulabschlusses sollen mit höheren Anteil praxisbezogen gestaltet werden. Dies soll vermehrt orientiert an konkreten Berufsbildern auch in Kooperation mit einer Schulpatenschaft vollzogen werden. Praktische Fächer an der Oberschule sollen geschlechtsunabhängige Pflichtfächer sein. Das Konzept des fächerübergreifenden Unterrichts halten wir für förderungswert, da durch die verschiedenen Herangehensweisen das Wissen zu den Themen vernetzter und somit gefestigter ist. Ebenso befürworten wir das Konzept der Profil- bzw. Neigungskurswahl. Der Anteil der Unterrichtsfächer Mathematik und Deutsch der weiterführenden Schulen (ab Klasse 5) ist zu erhöhen.